Letztes Verdingkind

Das letzte Verdingkind war ein Jenischer. Eine wahre Geschichte.

Claude Gerzner wurde von der Pro Juventute direkt nach der Geburt von seiner Mutter im Spital St. Gallen weggenommen.
Claude kam zuerst in ein Säuglingsheim bis er 4 Jahre alt war, nachher musste Claude für 6 Jahre in das Kinderheim Gossau. Im Alter von 10 Jahren, erfolgte die Überweisung ins Kinderheim St. Idaheim nach Lütisburg, dort blieb Claude bis er 16 Jahre alt war. Dieser Heimaufenthalt hat Claude sein Leben lang geprägt.
Während der gesamten Heimzeit, wurde Claude körperlich uns seelisch misshandelt, und  missbraucht.  Auch wurde er zur Kinderarbeit gezwungen, dies zu einem Stundelohn von 5 Franken. Diese wurden weiter sogar zu seinen Heimkosten gezählt, um allen Schikanen die Krönung aufzusetzen.
Diese Zeit war für Claude ein Märtyrium, dass seelisch ewige Narben mit sich tragen lassen.
Die jenischen Kinder, die als Verdingkinder missbraucht wurden, leiden alle unter den Stigmatas, die sie jahrelang erleiden mussten respektive , die ihnen zugefügt wurden.

Claude ist einer der wenigen der zu seinen Misshandlungen steht. Viele Verdingkinder leben zurückgezogen, und anonym im Bezug zu ihrer Geschichte. Das Sprechen fehlt schwer, auch nach etlichen Jahren die ins Land gestrichen sind. Die Kraft über alles zu sprechen , fehlt und fordert Kraft, die fast unüberwindabr ist für die Betroffenen.
Die ethnische Wurzeln im Bezug zur reisenden Lebensweise wurde den jenischen Verdingkinder verunmöglicht, indem man sie ihrer Herkunft beraubt hat. Auch hier wurde versucht , dass jenische /fahrende Volk  zu eliminieren. Nebst dieser wahnhaften Idee, wie absurden Gedankengut, erlitten die betroffenden jenischen Kinder unheilbare seelische Wunden. Es wurde nachgewiesen, dass z.B jenische Mädchen sterilisert wurden, um das Erbgut des Vagandetums auszumerzen.
Claude ist heute glücklich verheiratet und hat 2 Kinder. Claude sagt immer wieder, dass er nach vorne schauen muss. Vergessen jedoch kann er nicht, aber verdrängen!
Die Fotos zeigen noch Narben auf die geblieben sind, die man Claude körperlich zugefügt hat. Bilder kann man nicht verleugnen, und dementieren, so wie dies jahrzente lang der Fall war im Bezug zu der Geschichte der jenischen Kinder, die ihren Eltern in einer menschenfeindlichen Art und Weise entrissen wurden!!

Auch eine Entschuldigung an den Verdingkinder vom Bundespräsident Dr. Alphons Egli 1986
Ändert nicht viel…

 

 

 

Die Entschuldigung

 

 

Bundespräsident Dr. Alphons Egli entschuldigte sich am 3. Juni 1986
offiziell für das den Jenischen in der Schweiz angetane Unrecht
Der Wortlaut der Entschuldigung gemäss Nationalratsprotokoll
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Die Entschuldigung von Bundespräsident Dr.  Alphons Egli
vom 3. Juni 1986 im Nationalratssaal für das den Jenischen in
der Schweiz angetane Unrecht
Am 3. Juni 1986, anlässlich der Nationalratsdebatte über den Geschäftsbericht des
Bundesrats, entschuldigte sich Bundespräsident Egli dafür, dass der Bund das so genannte «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute mitfinanziert
hat.Diese Institution betrieb von 1925 bis 1973 eine systematische Politik von Kindswegnahmen gegenüber den jenischen Familien in der Schweiz; die Kinder wurden von Eltern und Geschistern isoliert, als Adoptivkinder oder Verdingkinder, in Heimen und Anstalten fremdplatziert und waren oft grausamen Misshandlungen und in vielen Fällen auch sexuellem Missbrauch ausgesetzt.
Die Entschuldigung des bald darauf zurückgetretenen Bundespräsidenten war, unabhängig von ihrer eher zurückhaltenden und nicht sehr eleganten Formulierung, ein
wichtiger symbolischer Akt der politischen Aufarbeitung der schweren und systematischen
Verfolgung, welcher die Jenischen in der Schweiz bis 1973 unterzogen wurden, und markiert einen Wendepunkt hin zur Gleichberechtigung dieser Volksgruppe.

Die Entschuldigung hatte gemäss stenografischem Protokoll des Nationalrats folgenden
Wortlaut:

«Frau Fankhauser [sp-Nationalrätin und ehemalige Mitarbeiterin der Pro Juventute],
Sie haben ein betrübliches Kapitel aus der Tätigkeit der Pro Juventute angeschnitten.
Es stimmt, dass in der Zeit von 1927 bis 1973 eine Aktion - sogar mit Unterstützung
von Bundesgeldern - gestartet, Kinder der Fahrenden aus ihren Familien entfernt und
in sogenannte Betreuungsfamilien eingegliedert  wurden. Aber ich darf gleichzeitig
auch betonen, dass seit 1973 nach unserem Wissen keine solchen Fälle mehr eingetreten

sind. Die Pro Juventute hat damals im Auftrag oder nach Wunsch der Kantone
gehandelt. Auch heute sind es die Kantone, die danach verlangen, dass ihnen die entsprechenden Akten ausgehändigt  werden sollten.  Ich kann Ihnen sagen,  dass  seit
letzten Freitag, 30. Mai,  bei uns eine Stiftungsbeschwerde anhängig ist.  Noch am
gleichen Tag haben wir dafür gesorgt, dass die einschlägigen Akten unter Verschluss
gesetzt wurden: Wir haben eine vorsorgliche Verfügung an die Pro J uventute erlassen,
wonach diese Akten unter Verschluss gelegt werden müssen und die Schlüssel
bei einer neutralen Stelle zu hinterlegen sind. Pro Juventute gibt ohne weiteres zu,
dass hier ein betrübliches Kapitel geschrieben worden ist.  Wir werden dank dieser
Stiftungs beschwerde die Sache wieder irgendwie einzulenken [sic] versuchen. Die
Pro Juventute hat öffentlich ihrem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, dass diese
Aktion unter ihrer Ägide durchgeführt worden ist. Was den Bund anbelangt, gebe ich
meinem Bedauern Ausdruck, dass  Bundeshilfe hierzu geleistet  wurde.  Ich scheue
mich sogar nicht,  mich in der Öffentlichkeit  dafür zu entschuldigen, dass dies vor
mehr als zehn Jahren passieren konnte.»